| Milk-Tumbler
MUTTER is a Hamburg based design agency focussing on brand design/packaging design, corporate identity and cradle to cradle design consulting
MUTTER Gesellschaft fuer Design und Vermarktung mbH, C2C, cradle to cradle, design, Carsten Buck, Magnus Fischer, brand design, packaging design, corporate identity
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Milk-Tumbler (Konzeptstudie)

WARUM FÜHREN GESCHLOSSENE KREISLÄUFE ZU BESSEREN LÖSUNGEN?

Der „Milk-Tumbler“ ist eine neuartige Milchverpackung, die unter Berücksichtigung des Cradle to Cradle® Prinzips nach Braungart und McDonough gestaltet wurde. Das Produkt ist vollständig aus molkebasiertem PLA gefertigt, was das unbeschränkte Zirkulieren des Rohstoffes in einem technischen Kreislauf ermöglicht. Da Körper und Flasche aus dem selben Material bestehen ist das Recycling unkomplizierter als bei Tetrapacks oder Glasflaschen mit Metalldeckeln. Ausgehend von der Umsetzung des Cradle to Cradle Ansatzes auf ein Verbrauchsgut entwickelte sich eine komplexe Systemlösung, die Innovationen auf breiter Ebene hervorbrachte. Ein geschlossener technischer Kreislauf in dem das Material unbeschränkt oft wiederverwendet wird, verbindet ökonomische und ökologische Vorteile mit einem innovativen Distributionssystem und gibt dem Produkt Milch damit seine natürliche Qualität zurück. Die Tumbler werden vom Abfüllort zu den Automaten gebracht und leere Flaschen auf dem Rückweg wieder zur Abfüllstation transportiert. Die direkten Wege ersetzen eine teure und aufwändige Lagerung. Der funktionierende Kreislauf macht erlebbar, wie vorteilhaft eine unbegrenzte Wiederverwendung von Ressourcen sein kann. Durch die Automaten bzw. den Lieferservice besteht 24 h täglich Zugang zu frischer lokal erzeugter Milch. Gleichzeitig können leere Flaschen zurückgegeben werden. Weil kaputte Flaschen eingeschmolzen und der gewonnene Rohstoff erneut für Tumbler Komponenten verwendet wird, zirkuliert das eingesetzte Material quasi unendlich oft.


Wirtschaftlichkeit

Mittelfristig bietet die unbegrenzte Wiederverwendung des Rohstoffes in einem „closed loop“ einen klaren wirtschaftlichen Vorteil (Initialkosten amortisieren sich mit jedem Mal Wiederverwenden). Die schwerpunktmäßige Anpassung der Flasche an den oben skizzierten Distributionsweg setzt zudem die oft propagierte Einsparpolitik außer Kraft („More is more“ statt „less is more“).

Design

Die Flaschenform wurde für eine nicht homogenisierte Bio-Milch konzipiert, die man vor Gebrauch leicht schütteln muss. Ihr leicht gerundeter Boden sorgt dafür, dass die Flasche von sich aus zur Schwenkbewegung neigt und den Benutzer zum Schütteln des Gefäßes animiert. So kam es zu dem bauchigen Körper, der wackelt wenn man ihn auf den Tisch stellt. Die Anforderung eines geschlossenen Kreislaufsystems zur Rückgewinnung des Materials stellte sich als Chance heraus, die bisher propagierte „weniger ist mehr“ Auffassung von Nachhaltigkeit ins Gegenteil zu verkehren. Wenn die Unternehmen ihr Material selbst besitzen und immer wieder zurückbekommen, hat das Design alle Freiheiten. Ein robuster Flaschenkörper mit großer ästhetischer Eigenständigkeit und einem entsprechen hohen Widererkennungswert war die Folge. Durch die Zusammenarbeit mit dem EPEA Institut wurde PLA (Polymilchsäure) auf Molkebasis als Werkstoff ausgewählt. Das Material benötigt keinerlei Katalysatoren in der Herstellung und ist zu 100% biologisch abbaubar (unter Industrie-Kompostierung schnell / im Hauskompost entsprechend langsamer). Selbst wenn es thermisch verwertet wird, gehen zwar die Rohstoffe verloren, jedoch werden keinerlei schädliche Substanzen/Emission freigesetzt. Das PLA bindet lediglich das, für seine natürliche Produktion notwendige CO2. Es lässt sich besser recyceln als. Zudem wird die Molke von den Bauern selbst erzeugt. Molke wird als Restflüssigkeit der Käseherstellung bislang nur als Kraftfutter verwertet.

Lokalwirtschaft

Die unbehandelte Milch ist nur wenige Tage haltbar und der ursprüngliche Projektpartner – eine Initiative bestehend aus fünf Hamburger Milchbauern – war zu klein um in Supermärkten gelistet zu werden. Beide vermeintlichen Nachteile verloren durch das Kreislaufsystem an Bedeutung. Die Idee, die Flaschen über eigene Milchautomaten in den Stadtteilen zu verkaufen, könnte langfristig sogar ein eigenes Handelssegment für regionale Produkte schaffen. Kurze Lieferwege und ein ständiges Zirkulieren der Milchbehälter zwischen Abfüllort, Versorgungsautomaten und Haushalten garantiert die Frische des lokal erzeugten Lebensmittels. Abseits des etablierten Einzelhandels könnten sich so wieder lokale Vermarktungsstrukturen entwickeln.

Soziales

Neben der Selbstabholung der Milch am Automaten ist die Einführung eines Liefer-/Abholdienstes möglich. Dieser kann z.B. Von Mitarbeitern der Straßenzeitschrift „Hinz und Kuntz“ übernommen werden. Die Einbindung von Hinz und Kuntz Mitarbeitern beruht jedoch nicht auf wirtschaftlichen Überlegungen (Stichwort Niedriglöhne). Um das Konzept für Familien und Menschen mit eingeschränkter Mobilität noch attraktiver zu machen, wurde die Idee des Lieferservice entwickelt. Die Auslieferung der Tumbler Flaschen durch Hinz und Kuntz könnte wesentlich zur Resozialisierung der Straßenverkäufer beitragen. Das Pfand auf den Milk-Tumblern geht zu 100% als Bezahlung an die Lieferanten, wenn sie die leeren Flaschen zurück zum Automaten liefern. Das Verteilen der Milch beinhaltet die Möglichkeit am sozialen Leben des Stadtteils mit zu wirken und neben einem ,wenn auch geringen, monetären Verdienst vor allem soziale Wertschätzung zu erhalten. Die Automaten selbst bieten die Möglichkeit, von den Bewohnern des Stadteils als Litfasssäule/schwarzes Brett genutzt zu werden.

Kooperationspartner

BFGF labs, EPEA 

Videos

Klima Award – IPP Integrierte Produktpolitik / Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

NDR Hamburg Journal 17. April 2013

Audio

radio-interview (Magnus Fischer at WDR 5 scala „Geschmackssachen“) 18. Jan. 2013  hier öffnen